Sizilien ist die größte Insel im Mittelmeer und ein "Kontinent" voller kultureller und landschaftlicher Kontraste.
Aufgrund der vielfältigen Geologie und Klimazonen weist die Flora Siziliens das größte Artenspektrum im gesamten Mittelmeerraum auf. Wegen der zentralen Lage treffen hier mehrere pflanzengeographische Regionen und Florenelemente zusammen, was zu einem hohen Anteil endemischer Sippen beigetragen hat.
Die reizvollsten Naturregionen liegen im Osten der Insel.
Während sich im Norden der Apennin in den zerklüfteten Gebirgszügen der Nebrodi und Madonie fortsetzt, schließt sich im Nordosten die mächtige Vulkanregion des Ätna an.
Im Südosten liegen die Monti Iblei, ausgedehnte Kalkplateaus mit tiefen Schluchten und herausragenden Orchideenbiotopen.
Von März bis Mai kann man hier einige der begehrtesten Orchideen-Endemiten Siziliens entdecken.
Schnabel-Ragwurze
Eine Besonderheit der süditalienischen Orchideenflora bildet die sehr attraktive Gruppe der Schnabel-Ragwurze, die eng mit den Hummelragwurzen verwandt sind.
Charakteristisch ist die flache, oft weit ausgezogenen Lippe und das relativ lange, nach oben gebogene Anhängsel (Schnabel).
Fast alle Vertreter dieser Spezies finden sich auf Sizilien. Dazu gehören:
Schnabel-Ragwurz (Ophrys oxyrrhynchos),
Bianca-Ragwurz (Ophrys biancae),
Prächtige Schnabel-Ragwurz (Ophrys calliantha) und
Lacaitas Ragwurz (Ophrys lacaitae).
In den reichhaltigen Biotopen der Monti Iblei kommt es nicht selten zur Hybridisierung der Arten untereinander. Eine genaue Bestimmung kann dann problematisch werden.
Vulkanismus auf Sizilien
Der Ätna ist das landschaftliche Wahrzeichen Siziliens.
Mit über 3.300m Höhe ist er der größte und einer der aktivsten Vulkane Europas.
Immer wieder macht der rauchende Riese mit verheerenden Ausbrüchen auf sich aufmerksam und verändert die Umgebung auf dramatische Weise.
Die schier endlose und lebensfeindliche Lavawüste am Ätna hat ihren ganz eigenen Reiz. In den tieferen Lagen finden sich in feuchteren Lavazonen auch interessante Orchideenbiotope, in denen man z.B. das kleinste Knabenkraut Europas, Orchis brancifortii, finden kann .
Nicht nur am Ätna, auch im übrigen Teil der Insel gibt es eindrucksvolle vulkanische Aktivitäten.
So z.B. an der Südküste nördlich von Agrigento. Hier liegt das Naturreservat "Vulcanelli di Maccalube", ein Geothermalgebiet mit kleinen Hotpots und blubbernden Mini-Schlammvulkanen. Beim Erkunden der Umgebung gibt es auch viele Orchideen zu sehen.
Die "Canyonlands" Siziliens
Wie eine Wildwest-Landschaft präsentieren sich die Monti Iblei im Südosten Siziliens.
Spektakuläre Schluchten haben sich im Hinterland von Siracusa in den Kalk gegraben.
Die grandiose Anapo-Schlucht mit der "Totenstadt" Pantalica ist Weltkulturerbe. Über 5000 Grabkammern wurden hier während der Bronzezeit in den Fels geschlagen und verleihen der Landschaft ein mystisch archaisches Ambiente.
Südlich davon liegt die über 250m tiefe Cava Grande, in der sich der Fluss Cassibile über malerische Gumpen und Wasserfälle seinen Weg zum Meer bahnt.
Die karge Landschaft ist Refugium vieler typischer und seltener Tier- und Pflanzenarten. Die Täler und Hochplateaus bilden ein Mosaik aus extensivem Kultur- und Weideland, das von endlosen Steinmauern durchzogen wird. Im wiesigen Gelände, in lichter Macchia und Affodil-Fluren gibt es eine Menge an Orchideen zu finden.
Einige Endemiten, wie die wunderschöne Halbmond-Ragwurz (Ophrys lunulata) oder der Sizilianische Zungenstendel (Serapias orientalis ssp. siciliensis) sind mancherorts nicht selten.